[Interview] Anna plaudert mit… Carolin Wahl

In einer Leserunde auf Lovelybooks durfte ich Anfang des Jahres den Fantasy-Schmöker „Die Traumknüpfer“ von Carolin Wahl lesen. Die Autorin hat die Leserunde begleitet und ist toll auf die Kommentare der Leser eingegangen, sodass es einen regen Austausch gab und viele interessante Gedankengänge! Natürlich habe ich die Chance direkt ergriffen und nach einem Interview gefragt und wieder hatte ich Glück. 🙂

Carolin Wahl hat sich gerne bereit erklärt, meine Fragen zu beantworten. Meine Rezension zum Buch findet ihr bereits auf meinem Blog. Ich kann aber bereits jedem, der gerne Fantasy liest, das Buch empfehlen. 🙂

 

Carolin Wahl

 

Anna: Bitte stelle dich meinen Lesern kurz vor. Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Carolin: Ich finde Selbstvorstellungen immer super schwierig. Aber ich kann ein bisschen was über mich erzählen: Momentan lebe ich in Edinburgh und arbeite an neuen Ideen und habe gleichzeitig eine Studiumspause eingelegt. Ab Herbst studiere ich dann nochmal für zwei Semester in München (Germanistik und Geschichte, wobei ich mit letzterem schon fertig bin). Ich liebe Animes, schaue viel zu viele Serien, koche für mein Leben gern und lese querbeet in allen Genres (wobei es manchmal Zeiten gibt, in denen ich Krimis und Thriller auslasse).
Geschichten habe ich schon immer erzählt, bereits als Dreijährige. Und als ich dann schreiben konnte, habe ich angefangen alles aufzuschreiben, was mir in den Kopf kam. Meinen ersten Roman hatte ich mit 12 Jahren gemeinsam mit einer Freundin handschriftlich angefertigt. Ein typischer Mädchenroman über Zwillinge, die sich in Jungs verknallen. Danach kam ein Urban-Fantasy-Roman der in St. Petersburg spielt, eine Dystopie, eine Schüler-Lehrer-Geschichte und ein Frauenroman der in Schottland angesiedelt ist. Das sind aber alles Schubladenmansukripte, meine Schreibanfänge 🙂

 

Anna: Wie wichtig sind dir Rezensionen? Liest du sie? Wie gehst du mit Kritik um?
Carolin: Rezensionen sind mir persönlich sehr wichtig und ich gehe einmal wöchentlich auf die Suche nach neuen Rezensionen.
Denn man arbeitet Monate, teilweise Jahre im stillen Kämmerlein an seinem Projekt, um es dann in die Welt zu entlassen. Man leidet, fiebert mit den Figuren, kürzt Szenen, schreibt neue dazu und hofft, dass das fertige Buch, an dem man so sehr hängt, natürlich auch Lesern gefällt. Mittlerweile habe ich gelernt, dass man nicht allen Lesern gefallen kann und das ist total in Ordnung!
Bei „Die Traumknüpfer“ ist mir aufgefallen, dass viele unterschiedliche Erwartungshaltungen an den Roman hatten, sodass manche Leser enttäuscht waren, andere wiederum total begeistert. Ich versuche immer das Positive aus den Rezensionen zu ziehen: Kritik, mit der ich etwas anfangen kann, ist großartig. Einfach weil ich mich weiterentwickeln möchte. Das ist auch einer der Gründe, warum ich sehr eng mit meiner Lektorin arbeite und sehr viel Wert auf ihre Anmerkungen und Meinung gebe.
Nichtsdestotrotz können Rezensionen verletzend sein, weil viele oftmals vergessen, dass hinter dem Autorenamen auf dem Cover eine reale Person steht, die man mit harschen Worten durchaus treffen kann.
Was dagegen tatsächlich hilft: Ich schaue auf Amazon bei meinem absoluten Lieblingsbüchern vorbei und lese die 1-Sterne-Rezensionen, teilweise mit völligem Unverständnis. 😉

 

Anna: Erzähle uns aus deinem Alltag als Autorin – wie läuft ein Tag ab? Was gefällt dir besonders an deinem Beruf?
Carolin: Ich liebe die flexiblen Arbeitszeiten und die emotionalen Achterbahnfahrten.
Zum Beispiel saß ich an einer der wichtigsten Szenen (auf der Insel Mii) eine komplette Nacht und habe sie runtergeschrieben. In der ersten Version war sie nochmal zwanzig Seiten länger. Aber als ich dann morgens um 6 Uhr ins Bett gefallen bin, war ich so zufrieden, so satt. Und hatte Rotz und Wasser geheult. Man baut eine Bindung zu jeder Figur auf und ich liebe es, sie real werden zu lassen.
Mein Alltag ist unterschiedlich, aber eine gewisse Routine hat sich hier eingeschlichen: bis zum Mittag stehen private Sachen an, nach dem Essen gehe ich dann in eines meiner liebsten Schreibcafés, wo ich mir einen Chai-Latte bestelle und anschließend 4-5 Stunden schreibe. Manchmal kommen abends noch 2-3 Stunden hinzu und wenn es auf den Abgabetermin zugeht, lege ich noch einige Nachtschichten ein. 🙂

 

Anna: Wo sammelst du die Ideen für deine Bücher? Haben persönliche Erlebnisse Einfluss auf deine Bücher?
Carolin: Ideen sammle ich überall: Bei einem Spaziergang durch die Gassen in Edinburgh, wenn ich eine Szene beobachte, die sich in der U-Bahn abspielt, ein Sprichwort, das ich zufällig lese oder eine Songzeile die mich besonders berührt.
Und persönliche Erlebnisse haben unterbewusst einen Einfluss auf meine Geschichten, schließlich gibt jeder Autor einen Teil von sich in seine Bücher.
Ich verpacke viele Emotionen, die ich selbst gespürt habe, in Romanen, weil ich das Gefühl habe, sie authentischer beschreiben zu können, wenn ich von Sachen erzähle, die ich nachfühlen kann.

 

Anna: Was hat dich zu dem Buch “Die Traumknüpfer” inspiriert?
Carolin: Ein Spaziergang. Ich war als Hundesitterin in München unterwegs. Sommerhitze, irgendwann im Juli. Auf einer Wiese war ein kleines Mädchen mit weißblonden Haaren. Da habe ich mich gefragt, wie es wäre, wenn ein Mädchen aus den Nordlanden aus einem bestimmten Grund in die Sommerlande reisen muss und sich dort, zwischen all den Fremden, völlig überfordert fühlt. Nach und nach haben sich dann Eigenheiten, Mythen, Bräuche und die Länder entwickelt.
Später kamen weitere Elemente hinzu, unter anderem die Idee, Märchenelemente in eine High-Fantasygeschichte zu verweben, ohne, dass es zu groß auffällt. So ist letztendlich die „schlafende“ Traumknüpferin auf einer Insel entstanden …

 

Anna: Gibt es einen Lieblingscharakter von dir in dem Buch und wieso er?
Carolin: Ashkiin. Eindeutig. Seine Perspektive war nicht vorgesehen, auch wenn ich von Anfang an wusste, dass er eine Rolle im Roman haben wird. Er ist gebrochen, von seinen Taten in der Vergangenheit getrieben und voller Zweifel. Ich mag seine Ambivalenz, die Art, wie er auf die Welt blickt.

 

Anna: Träumst du viel oder gehörst du eher zu den Menschen, die sich nie an ihre Träume erinnern?
Carolin: Ich träume sehr viel und kann mich meistens auch an meine Träume erinnern. Tatsächlich gehöre ich auch zu den Schlafwandlern, weil ich so intensive Träume habe. Einmal, als ich auf einer Messe gearbeitet habe, bin ich nachts im Schlaf im Raum umhergewandert und habe unsichtbares Geschirr abgeräumt. Die Mädels, die mit mir das Zimmer geteilt haben, fanden das verständlicherweise nicht so lustig …

 

Anna: In welchem Land der Vier-Jahreszeiten-Welt von dir würdest du am liebsten leben?
Carolin: Syskii – den Herbstlanden. Ich mag starke Frauen, die Ruhe der Herbstlande, die etwas gelassener ist als das bunte Treiben der Frühlingslande. Außerdem bin ich jemand, der es lieber etwas kälter und windiger hat. (Deswegen gefällt mir Edinburgh auch so gut!)

 

Anna: Man konnte die Hitze in den Sommerlanden ebenso spüren wie die erbarmungslose Kälte der Winterlande – wie hast du dich zu den Beschreibungen in Stimmung gebracht oder es gar recherchiert?
Carolin: Pinterest ist klasse, um sich in die Jahreszeiten bildlich einzufühlen. Bei den Bräuchen, Sitten und gesellschaftlichen Prinzipien habe ich mich an bestehenden Kulturen orientiert und mich dementsprechend eingelesen. 🙂
Und ich höre während des Schreibens viel Musik, Soundtracks, die immer super stimmungsvoll für High-Fantasyromane sind. Anime-Lieder (zum Beispiel von Fairy-Tail), Lindsay Stirling, oder ich bastle mir eine Playlist mit einzelnen Lieder, die mich für bestimmte Szenen begleiten. Bei Schlachten ist Hans Zimmer eine perfekte Wahl. Oder klassische Musik, mit großem Orchester. Für lustigere Szenen höre ich gerne Schandmaul.

 

Anna: Was hat dich zur außergewöhnlichen Namensgebung mit den doppelten Vokalen gebracht?
Carolin: Ich wollte ungewöhnliche Bezeichnungen für die vier Länder und habe mich in verschiedenen Sprachen durch den Google Translator gearbeitet. Letztendlich bin ich im Finnischen gelandet: Suvi, Syski, Talven und Kevät sind die Bezeichnungen für die vier Jahreszeiten im Finnischen. Um mich davon abzuheben, habe ich die Doppelvokalbe eingebaut. Das hat sich dann auf die Namensgebung niedergeschlagen, sodass diese Eigenheit entstanden ist.

 

Anna: Wird es einen Nachfolger geben oder ist das Buch ein Einzelband?
Carolin: Es handelt sich um einen Einzelband. Und es ist keine Fortsetzung geplant. 🙂

 

Anna: Gibt es schon Pläne zu einem nächsten Buch auf das wir uns freuen dürfen? Kannst du schon etwas darüber verraten?
Carolin: Ich arbeite an einem neuen Roman, der in einer komplett neuen Welt spielt, mit einem neuen Magiesystem, das mit Auren zusammenhängt … Es wird wohl wieder zwei Hauptperspektiven geben, die auf unterschiedlichen Seiten stehen, dieses Mal allerdings nicht viel voneinander halten: Im Gegenteil, die beiden sind Todfeinde, sind jedoch durch ein gemeinsames Schicksal miteinander verbunden …
Allzu viel kann ich aber noch nicht verraten 😉

 

Anna: Wem würdest du dein Buch empfehlen?
Carolin: Trudi Canavan Fans.
Ich muss sagen, dass ich ein Liebhaber ihrer Romane bin, weil sie ihre Welt so langsam und detailreich aufbaut, aber mich gleichzeitig so tief in ihre Geschichten zieht, dass ich weiterlesen muss.
Außerdem ist „Die Traumknüpfer“ kein Buch, dass man einfach so weglesen kann, weil man sich aufgrund der Namen und der Geschichte schon etwas konzentrieren muss. Und Leser, die All-Age-High-Fantasy mögen, werden hoffentlich auf ihre Kosten kommen. Aber Geschmäcker sind verschieden, deswegen sollte man es einfach versuchen 🙂

 

Anna: Du hast das letzte Wort.
Carolin: Oh man, bei sowas bin ich furchtbar unkreativ (klingt zwar doof, ist aber tatsächlich so).
Deswegen verbleibe ich ganz unkreativ mit einem: Vielleicht liest man sich an der ein oder anderen Stelle. Und vielen Dank für das nette Interview mit den interessanten Fragen! Es hat großen Spaß gemacht, sie zu beantworten 🙂

 

 

 

Das Buch und meine Rezension:

Die Traumknüpfer

2 comments on “[Interview] Anna plaudert mit… Carolin Wahl

  1. Liebe Anna,
    vielen Dank für das schöne Interview. Ich lese Gespräche mit Autorin sehr gerne. Besonders, wenn es nicht nur um die allgemeinen Fragen geht, sonder speziell um Dinge aus (aktuellen) Büchern. Die Sache mit der Namensgebung ist total interessant. Eine sehr sympathische Autorin 🙂
    Grüße dich ganz lieb,
    Damaris

    1. Hallo Damaris,

      gerne – ich liebe es auch, die Antworten zu lesen, da jeder Autor da auch ganz anders herangeht. 🙂 Gerade die Namensgebungsfrage hat mir unter den Nägeln gebrannt, die musste ich stellen. Ich bin darüber auch nicht gestolpert, es gab aber auch Leser, die damit ihre Probleme hatten. 🙂

      Liebe Grüße,
      Anna

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