[Eselsohren] Du, Ich und die Farben des Lebens von Noa C. Walker

Du und ich und die Farben des Lebens

Schön gesagt – Meine Eselsohren aus „Du, Ich und die Farben des Lebens“ von Noa C. Walker

Anführungszeichen„Genau das wird der Fall sein. Derartig tiefgreifende Geschehnisse machen etwas mit einem Menschen. Sie verändern ihn. Das sind Erfahrungen, die nicht spurlos an einer Seele vorübergehen. Personen, die sehr sensibel sind und die Verletzungen erfahren haben, die ihre Seele in ein dunkles Loch zu ziehen versuchen, werden niemals wieder wie zuvor – aber sie haben die Chance, positiv verändert aus dem Schlund herauszuklettern.“ (Seite 45)

 

AnführungszeichenDas war doch das Problem in der heutigen Zeit. Der Grund, weshalb Krankheiten, gleichgültig ob psychischer oder physischer Art, so ein immenses Gefühl der Hilflosigkeit in den Menschen hervorriefen. Vieles ging heute so einfach; musste einfach gehen. Kinderkrankheiten waren dank verschiedener Impfungen nahezu ausgerottet – welch ein Segen! Es gab Schmerzmittel, die Fortschritte in der Medizin waren begrüßenswert. Aber wie fast alles im Leben gab es auch hier die sprichwörtlichen zwei Seiten einer Medaille. Die Menschen nahmen Schmerzen nicht mehr ernst, sondern verdrängen sie mithilfe von Pharmazeutika. Ein Segen – und ein Fluch, denn manchmal waren Schmerzen oder Unwohlsein die Symptome einer zu großen körperlichen oder seelischen Anstrengung. Was geschah, wenn sie sich eines Tages nicht mehr einfach unterdrücken ließen?

Und wehe, jemand erkrankte schwer oder längerfristig. Wie schnell büßte er das soziale Gefüge ein, das ihn eigentlich auffangen sollte. Immerhin war er dann nicht mehr in das vorige, von der Gesellschaft vorgegebene Muster zu pressen. Da versagte die moderne Gesellschaft kläglich, der man vorgaukelte, dass alle immer nur fit, schön und rundum gesund sein mussten. Hier krankten die Menschen am Herzen.“ (Seite 46)

 

AnführungszeichenDie Bürger dieses Landes wollen sichere Straßen. Sie möchten in eine Bank gehen, ohne dass ihnen Räuber ihre automatischen Waffen unter die Nase halten. Sie wollen des nachts unterwegs sein, ohne dass sie befürchten müssen, niedergeschlagen, vergewaltigt oder ausgeraubt zu werden Sie wollen…, ach verdammt!“ Thomas schlug mit einer Hand auf das Lenkrad. „Aber wehe, ein Polizist tritt ihnen in den Weg und will ihren Ausweis sehen. Wehe, einer zieht sie wegen zu schnellen Fahrens aus dem Verkehr. Wehe, sie demonstrieren und werden von Polizisten flankiert, die Gebäude, Gegenprotestanten oder sonst was zu schützen haben. Ist den Hohlköpfen nicht klar, dass es das eine ihnen das andere nicht gibt? Dass sie Steine auf Polizisten werfen, die nur ihren Job tun, ihnen Sicherheit bieten sollen, bei Demonstrationen womöglich sogar ihrer Meinung sind, auf ihrer Seite stehen würden, wären sie nicht gerade im Dienst? Aber wehe, ein Polizist macht in Ausübung seines Dienstes einen Fehler! Dann fallen alle über ihn her wie die Heuschrecken über das letzte Korn.“ (Seite 98)

 

Anführungszeichen„Heidi“ hob die Hand und legte sie federleicht an Thomas‘ Wange. Dasselbe hatte früher seine Mutter getan, wenn er traurig oder verletzt war. Ob Müttern diese Trost spendende Geste angeboren war, die auf erstaunlich klare Weise vermittelte, dass man sich beschützt fühlen durfte?“ (Seite 105)

 

Anführungszeichen„Weil ich mit den Farben eine Erinnerung verknüpfe. Ich sehe einen wunderschönen Augenblick vor mir, den ich erleben durfte, Personen, die darin für mich eine entscheidende Rolle gespielt haben. Ich empfinde noch einmal die Dankbarkeit dafür, dies erlebt, diese Menschen gekannt zu haben. Zufällig bin ich nämlich überzeugt davon, dass Erinnerungen an gute Zeiten und liebe Menschen wichtig sind, und dass die Dankbarkeit für alle diese kleinen und großen Geschenke den Schlüssel zu einem glücklichen Leben beinhaltet.“ (Seite 136 ff.)

 

Anführungszeichen„Das, was gesunde Menschen erst im Laufe des Alterns entdecken, erfahren sie sehr bald. Zum Beispiel, dass wir kein Glück erkennen, wenn wir nie zuvor Unglück durchlitten haben, dass wir Gesundheit nicht wertschätzen, wenn wir niemals krank waren, dass wir die Liebe zu einem Menschen nicht auskosten, wenn wir nicht wiedergeliebt wurden, und das ein Menschenleben keine Wertigkeit besitzt, wenn man ihm keinen Sinn verleiht.“ (Seite 138)

 

Anführungszeichen„Mann kann den Verlust seines Kindes ertragen. Es ist unendlich leidvoll und schwer und reißt einem ein Stück seines Herzen aus dem Leib. Dieses Kind fehlt immer. Ein Schmerz des Verlustes und der Trauer, wenngleich er sanfter wird, wird jede Mutter, jeden Vater, jedes Geschwisterkind nie mehr loslassen. Aber irgendwann gibt es wieder leichtere Tage, fröhliche Tage. Hoffnungsvolle Tage.“ (Seite 184)

 

Anführungszeichen„Wann ist der richtige Zeitpunkt, diese Welt zu verlassen, Janica? Als Kind ist es viel zu früh. Als frischverliebte junge Frau ist es ungerecht und falsch, denn man möchte diese Liebe auskosten. Als frisch verheiratete Frau gilt dasselbe. Wir wünschen uns Kinder. Sobald die Kinder da sind, wollen wir diese unbedingt aufs Leben vorbereiten und aufwachsen sehen. Anschließend möchten wir ihnen durch die Stürme des Erwachsenwerdens helfen, danach noch die Enkel miterleben. Und dann? Vielleicht reisen? Die Welt entdecken? Sie künstlerisch und ehrenamtlich betätigen und sich auf diese Weise unentbehrlich machen? Sag mir? Wann ist der richtige Zeitpunkt? Und was ist die beste Todesursache? Ein plötzlicher Unfall? Ein unvorhergesehener Herzinfarkt?“ (Seite 225)

 

Anführungszeichen„Sie verbrachten die Rest der Nacht mit Küssen, kleinen Nickerchen, leise geführten Gesprächen und beobachteten schließlich fasziniert das Erwachen des nächsten Tages, der sich mit einer berauschenden Farbenvielfalt ankündigte und wie jeden Morgen die Hoffnung auf etwas Neues in sich trug.“ (Seite 243)

 

Anführungszeichen„Zeit ist kostbar, jede Minute, die wir einem anderen Menschen schenken, ist unbezahlbar, selbst dann, wenn wir nicht den nahen Tod vor Augen haben.

Was soll ich euch sagen? Seit meiner ersten Krebserkrankung hatte ich das Leben ausgekostet, in jedem Farbtupfer ein Erlebnis gesehen, in jeder Kleinigkeit ein Wunder, in jedem Lächeln den Himmel. Aber niemals zuvor hatte ich mich so lebendig gefühlt wie an der Seite von Thomas. Er war die Krönung meines Lebens…“ (Seite 245)

 

Anführungszeichen„Steffen zog es in einem Strudel von Selbstzweifeln, Selbstvorwürfen und Panik in die Tiefe eines bodenlosen Lochs. Steil ragten die Wände um ihn her auf. Diese waren so glatt wie die konturenlosen Oberfläche, die der Mensch auf Wunsch der Gesellschaft haben sollte. Sie bot keinen Halt vor dem unendlichen Fall in die Schwärze.“ (Seite 279)

 

Anführungszeichen„Ich bin der Überzeugung, dass jeder Mensch auf dieser Erde eine Aufgabe hat. Wir sind weder sinn- noch ziellos in genau dieser Zeit und in unser Umfeld hineingeboren.“ (Seite 305)

 

Anführungszeichen„Sah so Liebe aus? Sich selbst zurückzunehmen, den anderen ohne Vorbehalte zu unterstützen, schwere Zeiten Seite an Seite zu durchleiden, an sich zu arbeiten, die Gemeinsamkeiten zu feiern und dem Partner die Freiheit für Eigenheiten lassen?“ (Seite 396)

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