[Interview] Anna plaudert mit… Daniela Knor

Das Cover von „Drachenblut“ ist mir sofort ins Auge gestochen – ich liebe Drachen einfach. Auf Lovelybooks durfte ich 2015 bei einer Leserunde zu dem Buch „Drachenblut“ mitmachen und es war sehr interessant. Die Leserunde bestach durch viel Austausch und spannende Gedanken. Außerdem wurde die Leserunde von der Autorin begleitet und ich habe direkt meine Chance genutzt und nach einem Interview gefragt. Daniela Knor hat meine Fragen sehr gerne beantwortet und nun dürft ihr ebenfalls ihre Antworten lesen. 🙂

„Drachenblut“ ist bereits gelesen und rezensiert und ihr könnt gerne meine Rezension dazu nachlesen. Ich kann eine Leseempfehlung für Fans von Fantasy und der japanischen Kultur aussprechen, auch wenn das Buch auch ein paar Schwächen hatte und wünsche euch nun viel Spaß mit dem Interview!

Daniela Knor

Anna: Bitte stelle dich meinen Lesern kurz vor. Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Daniela: Mein Name ist Daniela Knor, aber ich veröffentliche auch unter anderen Namen (Pseudonymen) Fantasy- und Science Fiction-Romane. Zum Schreiben bin ich schon als Kind gekommen, denn ich habe mir gern Geschichten ausgedacht. Sobald ich in der Schule Schreiben gelernt hatte, fing ich an, diese Geschichten aufzuschreiben. So mit 13 oder 14 begann ich dann mit meinem ersten Roman und wusste, dass ich das einmal beruflich machen möchte. Bis dahin war es allerdings noch ein weiter Weg! Erst gegen Ende meines Studiums bekam ich den ersten Verlagsvertrag und habe dann entschieden, mich als Autorin selbständig zu machen. Mittlerweile ist das mein Vollzeitjob, und mein Mann und mein Hund müssen mich mit vielen Romanfiguren teilen 😉

 

Anna: Wie wichtig sind dir Rezensionen? Liest du sie? Wie gehst du mit Kritik um?

Daniela: Rezensionen sind – aus verschiedenen Gründen – für Autoren sehr wichtig. Einerseits sind sie eine der wenigen Formen von Feedback, die wir von unseren Lesern bekommen. Wenn das eigene Buch rezensiert wird, hat man also nicht mehr das Gefühl, „ins Leere“ zu schreiben. Jemand hat sich mit dem Buch beschäftigt, was ohnehin schon toll ist, und wenn das Feedback auch noch positiv ist, freue ich mich natürlich sehr darüber! Negative Kritik lasse ich erst einmal sacken und überlege, ob sie berechtigt ist. Gerade wenn mehrere Leser dieselben Dinge bemängeln, kann man als Autor etwas daraus lernen. Andererseits sind Rezensionen auch wichtig, weil sie unsere Bücher bekannter machen. Ein Roman, der nicht auf Blogs, in Magazinen oder auf Rezensionsportalen auftaucht, wird weniger Käufer finden und sich schlecht verkaufen. Das kann sich niemand von uns leisten, deshalb freut man sich als Autor immer doppelt über eine Rezension.

 

Anna: Erzähle aus deinem Alltag als Autorin – wie läuft ein Tag ab? Was gefällt dir besonders am Schreiben?

Daniela: Ich fürchte, so ein normaler Schreibtag klingt ziemlich langweilig, denn er ähnelt einem Tag im Büro. Morgens und nachmittags schreibe ich jeweils für ca. 3 Stunden, sitze also diszipliniert am Schreibtisch und arbeite am neuesten Buch. Hinzu kommen 2-3 Stunden für das Vorausplanen der nächsten Szenen, das Zeichnen von Landkarten, Recherche, geschäftliche Mails und Marketingaktivitäten wie Leserunden, Bloggen, Interviews, Verlosungen usw.

Am Schreiben gefällt mir ganz besonders, wenn ich den Punkt erreiche, an dem die Figuren ein Eigenleben entwickeln. Dann werden aus erdachten Figuren vielschichtige Persönlichkeiten mit Charakterzügen und Vorlieben, die ich vorher vielleicht gar nicht geplant hatte. Es macht Spaß im Kopfkino zuzusehen, wie diese Figuren dann miteinander umgehen. Das Aufschreiben ist dagegen oft harte Arbeit, aber es macht mir auch Spaß, besonders gelungene Formulierungen zu finden.

 

Anna: Wo sammelst du die Ideen für deine Bücher? Haben persönliche Erlebnisse Einfluss auf deine Bücher? Was hat dich zu dem Buch inspiriert?

Daniela: Die Ideen zu meinen Büchern kommen oft ganz spontan, zum Beispiel beim Lesen eines Zeitungsartikels, auf Reisen oder beim Musikhören. Persönliche Erlebnisse haben ganz sicher einen Einfluss, manchmal mehr, manchmal weniger offensichtlich. Mir ist wichtig, die Dinge möglichst authentisch zu beschreiben, deshalb gehört es auch zu meiner Recherchearbeit, konkrete Erfahrungen zu machen. Das klingt jetzt abstrakt, aber ich gebe mal ein Beispiel: In Japan habe ich an einem Einführungskurs in den Schwertkampf der Samurai teilgenommen, um ein Gefühl dafür zu entwickeln. Und ich habe tatsächlich in der japanischen „Wildnis“ gezeltet, also nicht immer auf einem Campingplatz. Damit wären wir auch schon bei der Frage, was mich zu „Drachenblut“ inspiriert hat: Die Idee zu dem Roman kam mir schon auf der Reise, als ich die Rauchwolken über dem Vulkan Sakurajima gesehen habe. Sicher hat jeder schon einmal Tiere oder Gesichter in den Wolken entdeckt. In diesem Fall war es ein Drache 🙂

 

Anna: Gibt es einen Lieblingscharakter von dir in dem Buch und wieso er?

Daniela: Die Hauptfigur – in diesem Fall Takeru – ist so zentral für einen Roman, dass ich gar kein Buch schreiben könnte, ohne diese Hauptfigur ins Herz zu schließen. An Takeru mag ich besonders, dass er ein bisschen unsicher ist, aber trotzdem immer den Mut aufbringt, den nächsten Schritt zu machen. In der Schule war er ein ganz normaler, eher schüchterner Typ, aber in Japan muss er über sich hinauswachsen, um seine Familie zu finden und sein Erbe anzutreten.

Mein Liebling unter den Nebenfiguren ist dagegen Jiro. Er ist ganz in seiner Heimat verwurzelt, aber hinter der zurückhaltenden japanischen Fassade ist er doch aufgeschlossen und ein Freund, mit dem man durch dick und dünn gehen kann.

 

Anna: Die unglaublich bildlichen Beschreibungen von Japan sind großartig – warst du selber schon einmal in Japan gewesen?

Daniela: Ja, ich war einen Monat lang mit dem Rucksack in Japan unterwegs und bin per Bahn und Schiff von Tokio bis ganz nach Süden gereist. Der südlichste Punkt war die Insel Yakushima, die auch im Roman vorkommt. Jiros geliebte Heimatinsel ist wirklich traumhaft! An dem Strand, an dem seine Hütte steht, legen tatsächlich Meeresschildkröten ihre Eier ab, und es sieht aus wie in der Südsee. Im Zentrum der Insel erheben sich dagegen die Berge mit den Zedernwäldern, die schon Inspiration für den Film „Prinzessin Mononoke“ waren. Aber Japan hat natürlich viel mehr zu bieten. Man kann in Tempeln übernachten, von Schrein zu Schrein wandern, alte Kaiserpaläste besichtigen oder zu Konzerten und No-Theateraufführungen gehen. Das ist selbst ohne Japanisch-Kenntnisse ein tolles Erlebnis, weil die Schauspieler Masken und herrliche Kostüme tragen und das Ganze musikalisch untermalt wird.

 

Anna: Sprichst du Japanisch und bist du mit der Kultur vertraut oder gab es Aha-Effekte beim Recherchieren der Geschichte?

Daniela: Leider spreche ich nur sehr wenig Japanisch. Es hat gerade so gereicht, um Tickets zu kaufen oder im Restaurant zu bestellen. Mit der Kultur habe ich mich schon vor der Reise beschäftigt, aber es ist einfach ein großer Unterschied, ob man über eine Geisha liest oder ihr in einem Lokal in Kyoto begegnet. Ich habe auf der Reise und danach beim Recherchieren für den Roman noch viel gelernt, und ganz sicher bin ich immer noch kein Experte und tappe in viele Fettnäpfchen 😉

 

Anna: Warum hast du den Handlungsort nach Japan gesetzt und nicht nach beispielsweise England oder den USA?

Daniela: Ich wurde in Japan zu dieser Geschichte inspiriert, und alles basiert auf der japanischen Mythologie. Ohne die vielfältigen Fabelwesen Japans und die japanische Kultur wäre es ein völlig anderes Buch geworden. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, die Geschichte an einen anderen Ort zu verpflanzen, auch wenn das vielleicht trendiger gewesen wäre.

 

Anna: Könntest du dir vorstellen, zu „Drachenblut“ eine Fortsetzung zu schreiben?

Daniela: Das wäre möglich, denn Takerus Gegenspieler haben zwar eine Schlacht verloren, aber nicht den Krieg, wie man so sagt. Sie sind immer noch da und werden weitere Intrigen spinnen. Zur Zeit ist aber keine Fortsetzung geplant, weil ich so viele andere Ideen habe, dass ich mit dem Schreiben gar nicht nachkomme.

 

Anna: Welches fantastische Wesen hat dir in deiner Geschichte am meisten gefallen?

Daniela: Besonders gern mag ich die Oni, die großen Berggeister, die so grimmig aussehen. Für westliche Augen werden sie in den Schreinen oft mit grotesk langen Nasen dargestellt, aber wenn man sich mit ihren Mythen beschäftigt, merkt man, dass sie weder lächerlich noch bösartig sind. Im Roman habe ich versucht, sie ernst zu nehmen und ihr Wesen als Hüter der Wälder und Berge zu erfassen.

 

Anna: Gibt es schon Pläne zu einem nächsten Buch auf das wir uns freuen dürfen? Kannst du schon etwas darüber verraten?

Daniela: Zur Zeit arbeite  ich an einem Roman, der unter Pseudonym erscheinen wird, deshalb darf ich leider nichts darüber verraten.

 

Anna: Wem würdest du dein Buch empfehlen?

Daniela: Allen Lesern, die neugierig auf Japan sind oder sich bereits in die japanische Kultur verliebt haben.

 

 

Das Buch und meine Rezension:

Drachenblut

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.